Positionspapier
Soziale Resilienz stärken
Kreative Strategien aus Socially Engaged Arts (SEA) für kollektive Handlungsfähigkeit
Krisenfeste Gemeinschaften brauchen mehr als Technik und Zuständigkeiten, sie brauchen eine tragfähige soziale Grundlage. Socially Engaged Arts (SEA) bauen diese auf, und das Positionspapier zeigt, wie Kommunen sie in ihre Resilienzarbeit einbeziehen können.
Stand: September 2026, Version 1.0
Auf einen Blick
In Deutschland wird Resilienz bislang vor allem technisch und sicherheitspolitisch gedacht. Zu kurz kommt dabei die soziale Resilienz: die Fähigkeit von Nachbarschaften, Vereinen und lokalen Netzwerken, in Krisen gemeinsam handlungsfähig zu bleiben. Diese Grundlage lässt sich nicht kurzfristig herstellen, sie muss vorher aufgebaut und gepflegt werden. Socially Engaged Arts, also gemeinschaftsbasierte künstlerische Praxis, schaffen genau die Räume, in denen Vertrauen, Kooperation und kollektive Handlungsfähigkeit wachsen. Auf Basis der aktuellen politischen Rahmenbedingungen und Finanzierungslogiken in Deutschland und Europa zeigt das Papier, wie SEA stärker in kommunale Strategien zur sozialen Resilienz einbezogen werden können, und formuliert dafür sechs Forderungen.
Die sechs Forderungen
- SEA von Anfang an in Resilienzprozessen verankern
- Ressortübergreifend und verlässlich finanzieren
- SEA-Wissen auffindbar und anschlussfähig machen
- Zugang zu Akteur:innen und Netzwerken schaffen
- Wirkung angemessen und niedrigschwellig sichtbar machen
- Umsetzung strukturell begleiten und verstetigen
Kontext & Hintergrund
Kommunen stehen unter wachsendem Mehrfachdruck: Klimafolgen, Extremwetter, demografischer Wandel, gesellschaftliche Polarisierung und neue Bedrohungslagen treffen auf knappe Haushalte und begrenzte Verwaltungskapazitäten. Unter diesen Bedingungen kann Resilienz nicht allein Aufgabe der Verwaltung sein. Sie braucht eine handlungsfähige Bürgerschaft.
Dieses Positionspapier richtet den Blick auf die soziale Seite von Resilienz und auf den bislang wenig genutzten Beitrag sozial engagierter Kunst. Es wendet sich an politische Entscheidungsträger:innen, Verwaltungen und Förderinstitutionen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene.
Herausgegeben vom Institut für praktische Emergenz (IPE), das Forschung und Praxis rund um handlungsfähige, krisenfeste Gemeinschaften verbindet und Kommunen bei deren Aufbau begleitet.
Die Idee zu diesem Papier entstand aus einer wiederkehrenden Beobachtung in unserer Arbeit mit Kommunen: Das Interesse an Formaten, die Menschen parteiübergreifend zusammen- und ins Handeln bringen, ist groß, doch es fehlt an Geld, an Ideen und am Wissen, wie sich das umsetzen lässt, während die Verwaltungen mit immer knapperen Mitteln immer mehr abdecken müssen. Den entscheidenden Anstoß gab ein gemeinsamer Aufenthalt in Yogyakarta, wo Nuria Krämer mit Studierenden ein Semesterprojekt durchführte und wo lokale, international tätige Künstler:innen sich mit prekär lebenden Communities verbinden, deren Selbstorganisation stützen und Probleme mit kreativen Strategien angehen, wo von staatlicher Seite wenig zu erwarten ist. Aus dieser Erfahrung und aus der für uns neuartigen Verbindung zweier Perspektiven, der künstlerisch-kulturellen von Nuria Krämer und der kommunalen des Instituts für praktische Emergenz, ist dieses Papier seither entstanden. Für die Ausarbeitung haben wir gezielt Forschung und Praxisbeispiele einbezogen und ausführlich recherchiert, was auf europäischer und deutscher Ebene bereits existiert, an Initiativen, Ansätzen, Förderprogrammen und Handreichungen.
Unser Anliegen ist es, vor allem auf kommunaler, aber auch auf politischer Ebene sichtbar zu machen, welches Potenzial in Socially Engaged Arts für den Aufbau kommunaler Resilienz steckt, wie viel dafür bereits vorhanden ist und was es braucht, damit Kommunen auf diese Ressource zugreifen können.
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Autorinnen, Institut & Kontakt
Über die Autorinnen
Nuria Krämer
Nuria Krämer entwickelt und leitet internationale Programme an den Schnittstellen von Kunst, Bildung und sozialökologischer Transformation. Ihre Arbeit verbindet kuratorische Praxis, institutionellen Aufbau und transkulturelle Zusammenarbeit, mit einem Schwerpunkt auf kollaborativen Formaten und gemeinsamer Wissensproduktion. Für die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) leitete sie den experimentellen Kunstraum Connecting Space Hong Kong und war Programme Manager von Shared Campus, einem internationalen Netzwerk von 13 Kunsthochschulen. Aktuell beschäftigt sie sich vor allem mit Socially Engaged Arts und der Frage, wie kulturelle und kollaborative Praktiken soziale Infrastrukturen, kollektive Handlungsfähigkeit und Community Resilience stärken.
LinkedIn-Profil
Rike Pätzold
Rike Pätzold berät, schreibt und lehrt zu lebendigen Netzwerken, Communities und dem Umgang mit Ungewissheit. Sie arbeitet mit Kommunen, Städten, Organisationen und NGOs daran, wie Menschen gut zusammenarbeiten und aus einzelnen Impulsen gemeinsames Handeln wird. Für das Institut für praktische Emergenz baut sie Netzwerke, Allianzen und Communities auf, die Verwaltung, Zivilgesellschaft und Organisationen über Ressort- und Ortsgrenzen hinweg verbinden, von lokalen Zukunftsinitiativen bis zu internationalen Themennetzwerken, etwa in Klimaschutz, Demokratie, Nachhaltigkeit und Care. Ihre Schwerpunkte sind resiliente Gemeinschaften, Futures Literacy und Formate, die Zusammenarbeit lebendig machen.
LinkedIn-ProfilÜber das Institut für praktische Emergenz
Das Institut für praktische Emergenz (IPE) verbindet Forschung und Praxis rund um handlungsfähige, krisenfeste Gemeinschaften und begleitet Kommunen und Organisationen dabei, aus Vielfalt Orientierung und aus Komplexität gemeinsame Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Wir sind überzeugt, dass Kunst und Kultur in ihrem Potenzial, Menschen ins gemeinsame Handeln zu bringen, bislang unterschätzt werden. Mit diesem Positionspapier machen wir dieses Potenzial für die kommunale Resilienzarbeit sichtbar.
Kontakt
Kontakt (auch für Presse): welcome@emergenz-institut.de
So zitieren Sie dieses Papier
Pätzold, Rike; Krämer, Nuria (2026): Soziale Resilienz stärken. Kreative Strategien aus Socially Engaged Arts (SEA) für kollektive Handlungsfähigkeit. Hrsg. Institut für praktische Emergenz, München. Online: https://emergenz-institut.de/positionspapier-soziale-resilienz (abgerufen am [Datum]).
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Weiterführende Ressourcen
Eine Auswahl frei verfügbarer Initiativen, Programme und Materialien, die in dieses Papier eingeflossen sind.
[HINWEIS: Diese Liste wird vor der Veröffentlichung noch ergänzt; weitere Links und PDFs folgen (Ordner wird nachgeliefert). Die vollständigen wissenschaftlichen Quellenangaben stehen im Papier selbst (PDF), nicht auf dieser Seite.]
- Bundesministerium des Innern (2022): Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen. Vom Bundeskabinett beschlossen am 13.07.2022.
- ClimArt: Fluid Infrastructures (2023–2025): Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) mit TU Berlin, Moabiter Stadtgarten; gefördert vom Bundesumweltministerium, in Kooperation mit der Berlin University Alliance / Knowledge Exchange Office und ON WATER | PARCOURS. https://www.zku-berlin.org
- Europäische Kommission (2025): Culture Compass for Europe. Mitteilung COM(2025) 785; sowie die gemeinsame Erklärung „Europe for Culture – Culture for Europe“.
- FIRE-RES (Horizon 2020, Grant 101037419): „Resilient Scars Map“ als Teil des künstlerischen Projekts „Lament“, Santa Comba Dão (nach den Waldbränden vom Oktober 2017). https://fire-res.eu
- Floating University Berlin (seit 2018): raumlaborberlin, Regenwasserrückhaltebecken am ehemaligen Flughafen Tempelhof; gefördert u. a. durch den „Bauhaus Today“-Fonds der Kulturstiftung des Bundes.
- Floodforest / TIDAL ArtS (Horizon Europe, EU-Mission „Restore our Ocean and Waters“, Grant 101157796): Tisza-Region, Ungarn. https://tidalarts.eu
- Global Innovation Gathering (GIG): internationales Netzwerk von Innovations-Hubs, Makerspaces und Grassroots-Innovator:innen; an die re:publica angedockt, mit jährlichem Treffen in Berlin.
- Memorandum Urbane Resilienz – Wege zur robusten, adaptiven und zukunftsfähigen Stadt (2021): erstellt im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik.
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Für dieses Positionspapier haben wir KI-gestützte Werkzeuge eingesetzt: für die Strukturierung des Materials, für Textentwürfe und redaktionelle Überarbeitung sowie für den Gegencheck von Quellenangaben. Die Recherche, die inhaltlichen Aussagen, die Auswahl der Quellen und die Verantwortung für das Ergebnis liegen bei den Autorinnen. Wir halten diesen Umgang für redlich und machen ihn transparent, weil wir denselben Anspruch an andere stellen.