Oft ist von Netzwerken die Rede, als wären sie Bauprojekte. Man „baut” sie, legt sie an, „strukturiert” sie – am liebsten „systematisch”, mit Excel, Organigrammen und hübschen Kreisen in PowerPoint. Nur: Echte Netzwerke funktionieren nicht wie Architektur. Genau genommen funktionieren sie überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann wachsen sie – oder eben nicht, dann gehen sie ein.

Das ist kein romantisches Detail, sondern der springende Punkt.

Architekt:in oder Gärtner:in?

Die Haltung, mit der man an Netzwerken arbeitet, macht einen großen Unterschied. Wer sich als Architekt:in oder Ingenieur:in versteht, will planen, kontrollieren und stabilisieren. Wer sich dagegen eher als Gärtner:in sieht, arbeitet mit dem Leben: rechnet mit dem Unberechenbaren, passt sich immer wieder an, reagiert auf das, was passiert, berücksichtigt die Umgebung – und schaut, was gut zusammenwächst und was sich nicht verträgt.

Die Organisationsforscherin Margaret Wheatley bringt es auf den Punkt:

„In lebendigen Systemen können wir nichts kontrollieren. Wir können nur Bedingungen schaffen, unter denen Leben gedeiht.”

Lebendige Netzwerke entstehen nicht durch ausgefeilte Pläne, sondern durch Beziehungen. Wo Orte und Situationen entstehen, an denen Wohlwollen wachsen kann – und wo Platz ist für Zufall, für Serendipität – stehen die Chancen gut, dass etwas zu wachsen beginnt. Ein schönes Beispiel ist die Transition-Town-Bewegung: kein Masterplan, keine Blaupause, sondern Menschen, die in Städten den Boden bereiten – durch Gartencafés, Repair-Cafés, Gemeinschaftsflächen.

Metaphern verraten das Betriebssystem

Metaphern sind mehr als Stilmittel. Versteht man Netzwerke als Gebäude, geht es um Stabilität, Statik, Kontrolle und Skalierbarkeit – dafür gibt es Playbooks und Schema F. Im Bild des Gärtnerns liegt der Fokus dagegen auf Lebendigkeit, gutem Boden, Hege und Rhythmen. Und ganz wichtig: Jedes Netzwerk ist anders.

Es braucht mehr Netzwerk-Gärtner:innen

Menschen mit einem Grundverständnis lebendiger Systeme, die moderieren können, Konnektor:innen sind und wissen, was eine Veranstaltung braucht, die dem Netzwerk als Ganzem dient und nicht nur Einzelnen. Innerhalb von Organisationen, wo interne Transformationsenergie freigesetzt werden will – also jene aufzuspüren und zusammenzubringen, die bereit sind, Neues zu versuchen. Und im Feld der Beteiligung, wo motivierte Bewohner:innen nicht nur zusammenzubringen (das ist der einfachste Schritt), sondern so zu begleiten sind, dass daraus ein Netzwerk wächst, eine Bewegung.

In einer Welt, die mit jedem Tag unübersichtlicher wird, sind es am Ende die Beziehungen, auf die es ankommt.

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