In Thessaloniki gibt es eine Marina, die kein schöner Ort ist: Die Stege sind marode, der Putz blättert. Aber sie ist voller Leben – Jogger:innen, Spaziergänger:innen, Jugendliche, abends die Familien, irgendwer hat immer Kaffee oder etwas zu essen dabei. Vor einem in die Jahre gekommenen Café nutzen die Leute ein Beton-Amphitheater.

Jetzt soll die Marina möglicherweise verkauft werden. Zäune, Schlüsselkarten, Lounge-Restaurant – das öffentliche Leben wäre dann vorbei. Weiter verfallen lassen? Auch keine gute Idee.

Eine dritte Option

Es gibt einen dritten Weg: die Übergabe an die Gemeinde. Verantwortung in die Hände jener Menschen, die diesen Ort ohnehin jeden Tag mit Leben füllen.

Das ist keine Romantik. Echte Commons machen Arbeit – wer entscheidet, wer pflegt, was passiert bei Streit? Aber diese Fragen sind lösbar, wenn man Menschen als Gestalter:innen denkt und nicht als Besucher:innen.

Zukünfte, die man erfahren kann

Genau solche Orte zu entwickeln, ist Teil unserer Arbeit. Um die Menschen vor Ort dafür zu interessieren, entstehen zum Beispiel immersive Zukünfte – Dystopie und Hoffnung – damit sich durch Zukunftsartefakte sinnlich erfahren lässt, wie eine unerwünschte und eine wünschenswerte Zukunft aussehen könnte.

Denn oft sind wir nur mit Problemen konfrontiert und mit dem, was alles nicht geht. Was es braucht, sind attraktive Zukunftsbilder, an deren Verwirklichung man Lust hat mitzuwirken – und kreative Strategien, um gemeinsam anders über die üblichen Hindernisse nachzudenken. Genau darum geht es bei navigate by fiction.

Drei Dinge, die heute schon gehen

  1. Hinschauen. Wo gibt es solche belebten Orte in der Nachbarschaft – und wer füllt sie mit Leben?
  2. Anders fragen. Nicht: Was ist hier alles schlecht? Sondern: Was ist hier möglich?
  3. Anfangen. Eine erste Einladung – an Nachbar:innen, Freund:innen, Passant:innen. Was ließe sich gemeinsam machen? Die Imagination wecken, die eigene und die der anderen. Das nennt sich Imagination-Activism, und es gibt es tatsächlich.

Am Ende hilft es nicht, zu warten, bis irgendwer anfängt. Das lässt sich nur selbst tun – nicht verbissen und missionarisch, sondern mit Offenheit und Freude.

Weiterlesen

← Zurück zur Übersicht