Wir arbeiten mit den Inner Development Goals nicht vor allem deshalb, weil sie eine Liste von 25 Fähigkeiten anbieten, die man nun der Reihe nach trainieren müsste. Im Gegenteil: Genau dieser Blick auf einzelne Kompetenzen ist für unsere Arbeit nur begrenzt hilfreich. Zuhören, Selbstwahrnehmung, Perspektivwechsel, Mut, Empathie, Sinnorientierung oder Zusammenarbeit lassen sich nicht sauber voneinander trennen. Sie entwickeln sich miteinander, nicht nebeneinander.
Interessant werden die IDGs für uns an einer anderen Stelle: Sie wirken wie ein Attraktor für Veränderungsenergie.
Ein Suchscheinwerfer für Veränderung
Wo immer man mit den IDGs in eine Community, eine Gemeinde, eine Organisation oder ein Unternehmen geht, passiert oft etwas Bemerkenswertes. Es melden sich Menschen, die sich längst mit Wandel beschäftigen, aber bisher vielleicht vereinzelt, verdeckt oder ohne gemeinsames Dach. Manche kommen aus Nachhaltigkeit und CSR, andere aus HR, Bildung, Strategie, Produktentwicklung, Verwaltung oder Zivilgesellschaft. Sie erkennen im Begriff der Inner Development Goals etwas wieder, das sie schon lange bewegt: die Frage, welche inneren Fähigkeiten wir brauchen, um äußere Veränderung überhaupt gestalten zu können.
Damit werden die IDGs zu einem Suchinstrument. Sie helfen, diejenigen sichtbar zu machen, die bereits an Transformation arbeiten oder dafür ansprechbar sind. Und sie schaffen einen Anlass, diese Menschen zusammenzubringen.
Ein gemeinsames Vokabular
Der zweite Grund, warum wir die IDGs nützlich finden: Sie sind ein Kommunikationsvehikel. Sie machen Themen besprechbar, die in vielen Kontexten vorher keinen guten Ort hatten. Plötzlich kann CSR mit HR sprechen, ohne dass es nur um Berichtslogik oder Personalentwicklung geht. Eine Lehrerin trifft auf eine Ingenieurin aus einem Automotive-Konzern, jemand aus der Verwaltung spricht mit jemandem aus der Sozialinnovation. Unterschiedliche Bubbles entdecken eine gemeinsame Sprache für Fragen, die sonst leicht als zu weich, zu abstrakt oder zu privat abgetan werden.
Das ist keine Kleinigkeit. Viele Veränderungsprozesse scheitern nicht daran, dass es keine Strategien gibt. Sie scheitern daran, dass Menschen keine gemeinsame Sprache für das haben, was zwischen ihnen, in ihnen und durch sie hindurch passiert. Die IDGs öffnen dafür einen Raum.
Ein trojanisches Überraschungsei
Und schließlich sind sie für uns so etwas wie ein trojanisches Überraschungsei.
Nach außen wirken sie anschlussfähig: ein internationales Rahmenwerk, klare Begriffe, ein Bezug zu den Sustainable Development Goals, ein professioneller Kontext. Man kann damit in Organisationen, Kommunen oder Netzwerke hineingehen, ohne sofort Abwehr auszulösen. Aber sobald bestimmte Praktiken etabliert sind, sobald Menschen anfangen, wirklich zuzuhören, bewusster wahrzunehmen, mit Unsicherheit umzugehen, Verantwortung anders zu verteilen und mutiger miteinander zu sprechen, verschiebt sich mehr als nur eine einzelne Kompetenz.
Dann entstehen neue Möglichkeitsräume. Gespräche werden ehrlicher. Konflikte werden produktiver. Menschen finden Verbündete. Ideen, die vorher keinen Ort hatten, bekommen Resonanz. Und manchmal merkt eine Organisation erst im Tun, dass es gar nicht nur um ein weiteres Trainingsformat ging, sondern um eine andere Qualität von Zusammenarbeit.
Darum nutzen wir die Inner Development Goals: nicht als Checkliste zur Selbstoptimierung, sondern als Einladung, Suchscheinwerfer und gemeinsames Vokabular für Veränderung. Sie helfen uns, Menschen zu finden, die schon unterwegs sind. Sie bringen getrennte Welten miteinander ins Gespräch. Und sie ermöglichen Praktiken, durch die plötzlich mehr denkbar wird, als am Anfang sichtbar war.
Für die konkrete Umsetzung sind wir außerdem Partner von Ecologies, die einen Ansatz entwickelt haben, der kulturelle Transformation und nachhaltigen Wandel in einer gemeinsamen DNA verbindet – über Lernen, systemische Einsicht und Daten.